Feminist-in.net!

Nicht ganz fünf Monate nach dem GenderCamp ist es endlich soweit: feminist-in.net öffnet seine Pforten. Bei dem Barcamp im Mai haben wir uns unter anderem die Frage gestellt, wie mehr Menschen an feministischen Diskursen beteiligt werden könnten. Es steht natürlich jeder und jedem frei sich ein eigenes Blog anzulegen und drauf los zu schreiben, aber zum einen gilt es gewisse technische Hürden zu überwinden, zum anderen bedeutet die Tatsache das mensch ein Blog hat, noch nicht, dass sich auch wirklich andere einfinden um in einen fruchtbaren Dialog zu treten. Und zum dritten kostet das Aufsetzen und Unterhalten eines Blogs nicht unerheblich Zeit und Muße, Resourcen die bei vielen leider arg rar sind.

Darum haben wir feminist-in.net geschaffen! Es soll ein Ort sein, der all jenen die Möglichkeit gibt Themen sichbar zu machen, zu diskutieren, Neues zu lernen sich mit anderen auszutauschen, denen das Betreiben einen Blogs zu aufwending, kompliziert, zeitraubend ist und die Weiten der Sozialennetzwerke zu suspekt erscheinen. Um mitdiskutieren zu können, müsst ihr euch nur anmelden. Nach einer kurzen Rückversicherung, dass ihr tatsächlich ihr seid und keine Spambots schalten wir euch frei und dann kann es auch schon losgehen.

Wir sind gespannt was ihr davon haltet und freuen uns auf interessante Gespräche und Diskussionen.

Das Team von feminist-in.net

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Hack4Europe! 2012 Berlin

Vom 05. bis 06. Juni sollte in Berlin der Hack4Europe! 2012 statt finden. Die Veranstaltung wurde von der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam mit der Open Knowledge Foundation, dem Europeana Inside-Partner Institut und der Deutschen Kinematek organisiert. Die Idee war es, bis zu 30 Developer, eine API und 20 Millionen Datensätze (Fotos, Briefe, Dokumente, Postkarten, Poster und noch vieles mehr) zusammen zu bringen um daraus spannende Anwendungen zu entwickeln. Sollte, weil dann doch alles ganz anders kam.

Wir kamen, fast pünktlich, morgens kurz nach neun in der StaBi an, wurden nett empfangen und warteten interessiert auf den Beginn der Veranstaltung. Wir sind erst am Abend vorher kurz dazu gekommen uns das Europeana Projekt und die API anzusehen, daher waren wir gut damit beschäftigt uns weiter mit ihr vertraut zu machen und zu überlegen, was für ein Projekt wir mit den vorhandenen Daten starten könnten. Vermutlich hätten wir gar nicht bemerkt, dass außer uns kein_e weitere_r Teilnehmer_in gekommen war, wenn Torsten Siegmann, der die Veranstaltung leitete, nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Um es kurz zu machen: wir hatten einen sehr spannenden Vormittag. Johann Rolschewki gab uns eine Einführung in die Möglichkeiten der Europeana-API, mit Joris Pekel sprachen wir über wikimedia-Projekte, seine Sammlung “Open GLAM” Sammlung  und wir kamen auf gute Ideen was man damit so machen könnte. Mit 1,5 Teilnehmern machte das alles aber wenig Sinn und eigentlich hatten wir uns darauf gefreut mit anderen gemeinsam an tollen Projekten zu arbeiten. So bekamen wir das Angebot nächste Woche zum Hack4Europe 2012 nach Leuven zu fahren und es dort noch einmal zu versuchen.

Ich muss sagen, ich bin ein wenig ratlos, warum von dem immerhin 13 angemeldeten Teilnehmer_innen außer uns niemand erschienen ist, aber auch warum sich nicht mehr Leute dafür interessiert haben. Waren alle Resourcen von Random Hacks of Kindness und den Wikimedia HackDays, die kurze Zeit zuvor stattfanden, gebunden? Lag die Veranstaltung ungünstig mitten in der Woche? War das Thema uninteressant oder wurde sie nicht in den “richtigen” Kanälen beworben?

Nach den Einblicken, die ich in den letzten zwei Tagen gewinnen konnte, muss ich sagen, dass in den Datenbanken und APIs unglaubliche Schätze verborgen liegen! Leider braucht es eine große Portion Fachwissen um sie zu erschließen. Deswegen finde ich Veranstaltungen wie Hack4Europe! so wichtig! Es muss mehr Menschen geben, die von diesen “Datenschätzen” wissen. Mehr Menschen die daraus tolle Anwendungen machen die wir alle nutzen können. Darum: Mehr Open-Data-HackDays und vor allem mehr Leute die mitmachen!

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Berliner Symposium für Internet und Gesellschaft

Das erste Symposium des in der letzten Woche in Berlin gegründeten Instituts für Internet und Gesellschaft ging heute mit einem „Open Science Forum“ zu Ende. Organisiert war das Ganze folgendermaßen: Mitglieder der Forschungsgruppen präsentieren die Ergebnisse der zwei Workshoptage, anschließend diskutieren die um Tische gruppierten Teilnehmer_innen über das Gehörte oder eigene Themen.

Unter den durchaus interessanten Themen des Vormittags waren unter anderem:

  • Wie entwickeln sich Normen und Werte in Communitys?
  • Wie sollten Konflikte reguliert werden?
  • Wie entstehen Communitys, die Einfluss ausüben können?
  • Neue Technologien sollten sich an unseren Bedürfnissen orientieren.
  • Parameter aus Sozialwissenschaften in Design einfließen lassen
  • Skalierbarkeit, Standards, Energieverbrauch
  • Das „soziale Element“ mit einbeziehen

Allein, der spontane Einstieg in die Diskussion war für Nicht-Akademiker_innen nahezu unmöglich. Die Diskurse waren zu spezifisch und es war schwer erkennbar, wie wir Teilnehmer _innen aus der „Zivilgesellschaft“ darin einen Beitrag hätten leisten können. Ich hatte den Eindruck, dass andere ähnlich ratlos über unsere Funktion in dieser Runde waren. So diskutierten wir darüber, wie sich eine wissenschaftliche Arbeitsweise des Instituts mit der Einbeziehung von Nicht-Akademiker_innen vereinbaren läßt, wie sich Forscher_innen unterschiedlicher Fachrichtungen „verstehen“ lernen und welchen Beitrag Journalist_innen in der Vermittlung zwischen Forschung, Politik und Gesellschaft leisten können.

Das Institut für Internet und Gesellschaft ist in den Wissenschaftsbetrieb eingebettet und als solches einer Forschung nach wissenschaftlichen Kriterien verpflichtet, zu wünschen wäre dennoch, dass ihm der Brückenschlag in die Gesellschaft hinein gelingt und es sich nicht schon zu Beginn in ihren Elfenbeinturm zurückzieht.

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Nach der FsA ist vor der FsA – Wider die Vorratsdatenspeicherung

Bunt war die FsA. Vielfältig war die FsA. Schön war die FsA. Sie war anders als die letzten Jahre – weniger Laufen, dafür mehr Aktionen an einem zentralen Platz und ich finde das hat ihr gut getan. Mein persönliches Highlight war die Junge Gemeinde aus Jena. Sowohl die Lauti-Beiträge als auch der Stand mit den Soli-T-Shirts und -Mate waren super. Falls ihr vor Ort keine bekommen habt, könntet ihr die T-Shirts auch hier über diese Seite bestellen. Die Junge Gemeinde wurde am 10. August von der Polizei durchsucht, weil sie an den Protesten gegen die Nazi-Demo in Dresden im Februar 2011 teilgenommen haben.

Der Stand der Jungen Gemeinde Jena bei der Demonstration Freiheit statt Angst. Im Vordergrund sieht man einen Verkaufstisch mit einem gelben Tuch. Auf diesem Tisch sind Flaschen mit Soli-Mate, eine Spendenbox und Informationsmaterial. Im Bildhintergrund ist ein weißes Partyzelt an dem das Soli-T-Shirt hängt.

Ingo Jürgensmann, CC-BY-SA http://gallery.windfluechter.net/

Gleich neben den Jenaern hatte Oktopusvater Peter sein neuestes Werk „die Facebook-Falle“ dabei, es gab enervierend quietschende Festplatten, DNA-Test-Sets, bunte Luftballons, weiße Pappbrillen und noch vieles mehr.

Eine Überlebensgroße Mausefalle mit dem Facebook-Logo

Ingo Jürgensmann, CC-BY-SA http://gallery.windfluechter.net/

Es gab aber auch ein paar Dinge, die ich eher schwierig fand.

Ich kann mich an die Diskussionen im Wahljahr 2009 erinnern, die sich um die übermäßige Präsenz von Parteifahnen und Luftballons drehten. Daran hat sich auch 2011, wieder ein Jahr mit Wahlen in Berlin, nicht viel geändert (liebe Piraten und Grüne: das geht hauptsächlich an euch). Es schmerzt mich zu sehen, wie die FsA immer wieder aufs Neue optisch zu einer Wahlveranstaltung verkommt.

Zum Zweiten fand ich die Akkustik auf dem Alex etwas suboptimal. Die Redner_innen waren sehr schwer bis gar nicht zu verstehen und die Menschen auf dem Platz wurden durch die parallel an den Ständen stattfindenden Aktionen zusätzlich abgelenkt. Das führte bei mir dazu, das ich von den Inhalten auf der Bühne kaum etwas mitbekommen habe. Vielleicht kann man im nächsten Jahr einfach eine Zwischenkundgebung während der Demo machen und dort die Redebeiträge stattfinden lassen?

Wichtig war’s! Schön war’s! Doch nach der FsA ist vor der FsA!
Darum sollten jetzt alle, die das bisher noch nicht getan haben bei zeichnemit.de vorbei schauen und die Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung mitzeichnen. Da nur noch etwas mehr als ein Tag und 12 Stunden Zeit sind, solltet ihr euch beeilen!

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Freiheit statt Angst 2011

Logo der Demonstration „Freiheit statt Angst“ 2011. Es steht drauf: Am 10.09.2011 in Berlin Freiheit statt Angst. Der Text ist schwarz, nur Freiheit hat ein sattes Gras-Grün. Der I-Punkt bei Freiheit ist eine dunkelgelbe Blume und es fliegen grüne Schmetterlinge. Ganz klein am Rande des Bildes steht: Stoppt den Überwachungswahn.Morgen ist es wieder soweit. Hinaus auf die Strasse: „für Freiheitsrechte, für einen modernen Datenschutz und ein freies Internet“ oder um „Überwachungsstaaten weg(zu)putzen“ je nachdem wo ihr euch eher verortet.

Auch wenn die Demo langsam ein Dinosaurier im aktionspolitischen Kalender Berlins ist, darf sie nicht aussterben! Die Gründe morgen wieder dabei zu sein sind aktueller denn je: Vorratsdatenspeicherung, INDECT, SWIFT, das Stockholmer Programm, FRONTEX, Nacktscanner, Elektronische Gesundheitskarte… nur ein kleiner Ausschnitt der Themen in den Aufrufen. Bei Netzsperren und Atomausstieg haben wir es vorerst geschafft, die Mietenstopp-Bewegung ist auf einem guten Weg und auch bei Vorratsdaten und Co. dürfen wir nicht nachlassen. Raus auf die Strasse morgen – es lohnt sich!

Wann: 10. September 2011 ab 13:00 Uhr
Wo: Pariser Platz am Brandenburger Tor
Kundgebung: 14:00 Uhr Karl-Liebknecht-Strasse am Alexanderplatz

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Transparenzmaschine und Privilegiertenveranstaltung

Dieser Text ist eine Erwiderung auf den Beitrag von Samuel Salzborn: „Das WWW ist nicht die Welt“.  Mein Text erscheint in der Printausgabe der taz vom 14. Juli 2011 und ist hier auch auf taz.de online zu lesen.

Wer behauptet, politische Partizipation im Internet bestünde hauptsächlich darin, eine Stimme per Klick abzugeben und damit der Demokratie zu schaden, macht es sich sehr einfach. Zum einen handelt es sich bei den meisten digitalen Unterschriftensammlungen um weitaus mehr als einen Klick. Benutzer_innen müssen ihre persönlichen Daten preisgeben um sich ein Konto einzurichten und stehen dann oft für alle sichtbar mit ihrem (Real)Namen hinter einer politischen Forderung. Dagegen ist die analoge Unterschriftensammlung schnell, unkompliziert und nicht öffentlich.

In der Tat schwierig ist, dass es inzwischen unterschiedliche Möglichkeiten gibt online für ein und das selbe Thema abzustimmen. Wenn man seine Stimme bei Facebook oder auch campact! abgibt, kann man nicht davon ausgehen, dass sie irgendeine Relevanz in der parlamentarischen Diskussion haben wird. So ist es durchaus als kontraproduktiv zu bewerten wenn campact! über zweihunderttausend Unterschriften sammelt, die bei einer Onlinepetition an den Deutschen Bundestag eher Auswirkungen auf die parlamentarische Politik gehabt hätten. Sie sind nicht mehr als ein symbolischer Akt ohne Wirkung. Menschen die dort ihre Stimme hinterlassen haben, werden nur in den seltensten Fällen bereit sein für die selbe Sache noch einmal online zu unterschreiben.

Aber seit wann ist digitale politische Partizipation in erster Linie das Unterschreiben von Petitionen? Das was das Netz zu DEM Werkzeug der außerparlamentarischen Opposition macht, ist mit Sicherheit nicht der Like-Button. Es sind Vorgänge, wie die folgenden:
Mark Schmitt in Buxdehude liest bei Twitter eine Nachricht von Rita Lehmann auf der Schwäbischen Alb und stellt fest, dass er gar nicht der Einzige ist, der sich für XY einsetzt. Sie tauschen in Blogposts Argumente für ihre Position aus, erzählen wie sie dazu gekommen sind. Sie werden mit Kommentaren von Menschen konfrontiert die absolut dagegen sind. In der Auseinandersetzung mit diesen “Gegner_innen” lernen sie ihre Argumente zu schärfen und zu erweitern. Sie üben sich darin, den politischen Gegner von ihrer Position zu überzeugen, seine Argumente zu entkräften und finden über ihre öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema immer mehr Leute, die so denken wie sie. Sie beginnen sich zu organisieren, legen Mailinglisten an und Dokumente, die sie kollaborativ bearbeiten können, sie gestalten Kampagnen-Webseiten. Ihre Arbeit wird zunehmend differenzierter. Darin liegt die Stärke des Netzes als Werkzeug politischer Partizipation: es lassen sich Beziehungen zu Gleichgesinnten knüpfen, es ist eine Debattenplattform die Jedem und Jeder mit einem Internetzugang offen steht. Unabhänging von Zeitungen und anderen Medien lassen sich hier innerhalb kurzer Zeit sehr viele Menschen erreichen und Meinungen bilden.

Die oft in Online-Kontexten vorhandene Frustration über das in Deutschland herrschende politische Klima kommt nicht davon, dass mal ein_e Politiker_in nicht schnell genug auf Twitter antwortet oder dass eine Frage auf Abgeordnetenwatch mit einer Standardantwort abgespeist wird. Nein, frustrierend wird es, wenn Argumente ignoriert werden von Politiker_innen in Parlamenten oder Funktionär_innen in Ministerien. Onlineaktivisten tragen die Ergebnisse der Debatten, die im Netz geführt werden dorthin. Dabei erleben sie, wie Entscheidungen trotz besseren Wissens getroffen werden. Hier entsteht Frustration!

Das Netz ist eine Transparenzmaschine. Die abgeschottete parlamentarische Demokratie wird durchsichtig, wo Bürger_innen bei öffentlichen Ausschusssitzungen present sind, das Geschehen kommentieren und im Netz sichtbar machen. Wie sehr Politiker_innen diese Öffentlichkeit fürchten, erfuhr die Partei Die Linke vor einigen Tagen, als die Bundesregierung ihre Antwort auf eine Kleine Anfrage zur Verschlusssache erklärte. Als Begründung diente das „[…] veränderte Nutzerverhalten bezüglich öffentlich zugänglicher Publikationsmedien, wie dem Internet [...]“.

Der Druck auf Politiker_innen wächst. Sie müssen erklären, warum sie Entscheidungen treffen, die sie selbst für falsch hielten. Oft genug wollen oder können sie es nicht – hier entsteht Frustration! Durch die Analyse der im Netz befindlichen Informationen wird offenbar, dass einige Politiker_innen ihre Zeit weniger in Sitzungen  als bei bezahlten Vorträgen und Veranstaltungen der Wirtschaft verbringen. Sie können sich nicht mehr hinter ihren Doktortiteln verstecken, auch hier funktionieren die Werkzeuge des Internets besser als jeder Untersuchungsausschuss. Die Menschen fühlen sich von den gewählten Volksvertreter_innen belogen und hintergangen – hier entsteht Frustration!

Der versierte Umgang mit den digitalen Werkzeugen ist eine „Privilegiertenveranstaltung“. Er braucht Wissen, Zeit und eine technische Infrastruktur – man muss es sich leisten können. Die, für deren Rechte in der parlamentarischen Demokratie kaum eine_r kämpft, haben es auch im Digitalen schwerer. Wir haben die Verantwortung, sie in unsere Netzwerke hineinzuholen, unsere Knoten bewußt so zu knüpfen, dass die, deren Stimmen leise sind, nicht auch hier durch die Maschen fallen. Wie machtvoll das Netz als politisches Werkzeug sein kann, hat die Tunesische Revolution bewiesen. Wie die Bloggerin Line Ben Mhenni in ihrem Buch „Vernetzt euch!“ beschreibt, waren es die Onlineaktivist_innen, die das sichbar gemacht haben, was von allen Medien totgeschwiegen wurde. Trotz massiver staatlicher Zensur haben sie gezeigt, was auf den Strassen und Plätzen passierte: die Willkür der Polizei, die Lügen des Präsidenten Ben Ali, aber auch den Mut und die Entschlossenheit die in der Bevölkerung wuchs dies nicht länger hinzunehmen. Sie haben für viele Menschen sichtbar gemacht, was nur wenige Jahre zuvor beim Kampf der Bergbauarbeiter_innen in Gafsa fast im Verborgenen geschah und so zu seinem Scheitern führte.

Das Unterdrückte, das Verborgene sichbar zu machen um eine Demokratie auf Augenhöhe zu ermöglichen, das ist das Potential digitaler Werkzeuge. Nicht aus dem Glauben heraus dass Politiker_innen grundsätzlich gegen Bürger_innen und für wirtschaftliche Lobbyverbände und die eigene Tasche arbeiten, sollten wir für die Freiheit im digitalen Raum kämpfen. Sondern weil wir damit selbst unsere Ideale und Visionen einer besseren Gesellschaft für alle verwirklichen können.

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Linke Medienakademie 2011

Logo  der Linken MedienakademieZum 8. Mal findet in der nächsten Woche vom 09. bis zum 13. März die Linke Medienakademie auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) statt. Sie richtet sich mit ihrem extrem umfangreichen Programm an linke Medienmacher_innen, Öffentlichkeitsarbeiter_innen, Kampagnienmanager_innen in NGOs und Gewerkschaften, ist aber auch für allgemein politisch Interessierte durchaus spannend. Eine Auswahl der Veranstaltungen, die mich im Besonderen interessant finde:

  • Neuer Jargon der Verachtung: Sarrazin, Sloterdijk, Westerwelle & Co.
  • Rolf Gössner und seine Verfassungsschutz-Akte nach vier Jahrzehnten Dauerbeobachtung
  • Endstation Brodkorb: Ein umstrittenes Webprojekt gegen Rechts
  • Rauschen im Blätterwald: Die mediale Rezeption zum rassistischen Mord an Marwa El Sherbini in Dresden 2009
  • Zur Geschichte des linken Buchhandels
  • Gegenöffentlichkeit in Zeiten des Web 2.0
  • Creative Commons: Moderne Aspekte des Urheberrechts
  • Investigating EU lobbying: Den heimlichen Einflussnehmern auf der Spur

Das gesamte Programmheft kann man sich hier als .pdf anschauen/herunterladen. Bis heute Nacht 24 Uhr sind die Tickets noch zu haben.

Vor Ort gibt es einen Wickelraum und Rückzugsmöglichkeiten zur Babybetreuung, darum freue ich mich im Rahmen eines Workshops zum Thema “Online-Petition leicht gemacht” ein wenig über meine praktischen Erfahrungen berichten zu können.

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Mädchen, Fräulein, Frau – Wie Blogautorinnen sich selbst bezeichnen

Vor einiger Zeit stolperte ich über den Artikel „She Geek: Women and Self-Labeling in Online Geek Communities“. Darin geht es um die Frage, wie sich Frauen selbst bezeichnen und aus welchen Gründen sie bestimmte Bezeichnungen wählen, wenn sie sich in Online-Communitys bewegen und warum sie besonders häufig zu ganz bestimmten Bezeichnungen greifen.

Das brachte mich dazu, einen Blick auf die deutsche Blogosphäre zu werfen. Namensbestandteile wie „Girl“, „Mädchen“, „Frau“, „Fräulein“ waren mir auch hier häufiger begegnet und ich fragte mich, wie wohl das Verhältnis aussieht, wenn ich einen genaueren Blick wage. Ich bin also zunächst meinen Feedreader durchgegangen (der dank der Aktion „Blogger Mädchen 2010“ der Mädchenmannschaft gut mit frischen Blogs weiblicher Autor_innen gefüllt ist). Blogs, die eines der Labels als Namensbestandteil enthielten, habe ich mir angeschaut und dort wiederum in der Blogroll nach noch mehr Kandidat_innen gesucht. Das Ergebnis der Recherche ist folgendes: Die meisten weiblichen Blogger_innen entscheiden sich für sehr individuelle Namen, die in keine der Kategorien passen. Aber beim Vergleichen der oben genannten Namensbestandteile zeigt sich folgendes Bild:

  • Mädchen/Girl: 8 Blogs1
  • Frau: 4 Blogs2
  • Fräulein: 5 Blogs3

Aus den Aktivitäten im Netz heraus entstehen häufiger Gruppen, die sich außerhalb des Netzes treffen. Auch hier gibt es einen ähnlichen Trend in der Verteilung zwischen „Mädchen“/„Girl“ und „Frau“: Girls on web societyGirl Geek DinnerFrauen im Netz.

Das Ergebnis ist weder erschöpfend noch repräsentativ, zeigt aber wie ich finde eine gewissen Tendenz. Soweit das den Selbstbeschreibungen der Autorinnen zu entnehmen war, sind keine der „Mädchen“-Bloggerinnen in einem Alter, in dem sie mit der Zuschreibung „Mädchen“ versehen werden würden. Um so spannender die Frage: Warum greifen sie zu Attributen wie „Mädchen“ oder „Girl“? Und was ist mit den „Fräuleins“ unter unseren Bloggerinnen? Ein herrlich altmodisches Wort, das in der Alltagssprache der meisten kaum noch vorkommen dürfte, wieso aber findet es häufiger noch als „Frau“ Eingang in Blognamen? Und was ist mit denen, die sich ganz (selbst)bewusst als „Frau“ bezeichnen – was verbinden sie mit dieser Selbstbeschreibung?

  1. Blogs mit „Mädchen“ oder „Girl“ im Namen: Girls can blogMädchenmannschaftMädchenblogPlastikmädchenModerne MädchenMädchen BlogtFaules MädchenSchorlemädchen []
  2. Blogs mit „Frau“ im Namen: Frau … äh … MuttiFrau mit BartFrauenzimmerFrau Liebe []
  3. Blogs mit „Fräulein“ im Namen: Fräulein JuliaFräulein ZuckerFrollein RehFrl. Krise interveniertFräulein Kapriziös []
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